Bei einer Übernahme oder Fusion ist der Deal nur die halbe Geschichte. Die andere Hälfte ist, wie er erzählt wird. Mitarbeitende, Kundschaft, Partner und Medien wollen wissen, warum beide Unternehmen zusammengehen und was sich für sie ändert. Wer die Reihenfolge der Information plant und ein Narrativ für beide Seiten entwickelt, schafft Vertrauen statt Verunsicherung.
Wer erfährt es zuerst?
Die eigenen Mitarbeitenden. Nichts schadet einer Fusion so sehr wie Beschäftigte, die aus der Zeitung oder von LinkedIn erfahren, dass ihr Arbeitgeber verkauft wurde. Idealerweise informiert die Geschäftsführung beider Unternehmen am Tag der Bekanntgabe zeitgleich oder kurz vor der Öffentlichkeit, persönlich und mit Raum für Fragen. Direkt danach folgen wichtige Kunden, Lieferanten und Partner, am besten über ihre gewohnten Ansprechpartner. Medien und breite Öffentlichkeit erhalten die Nachricht im selben Zeitfenster.
Was müssen Juristen und Kommunikation gemeinsam klären?
M&A-Kommunikation bewegt sich in einem engen rechtlichen Rahmen. Börsennotierte Unternehmen unterliegen der Ad-hoc-Pflicht nach der EU-Marktmissbrauchsverordnung und müssen Insiderinformationen unverzüglich veröffentlichen. Oft stehen Genehmigungen von Kartellbehörden aus, sodass zwischen Unterzeichnung und Vollzug Monate liegen können. Was in dieser Zeit gesagt werden darf, sollten Kommunikation und Rechtsberatung früh gemeinsam festlegen. Gute Zusammenarbeit heißt dabei, rechtlich sauber zu bleiben und trotzdem verständlich zu sprechen.
Welches Narrativ trägt für beide Seiten?
Die stärkste Geschichte erklärt, warum beide Unternehmen zusammen mehr können als allein. Sie beantwortet die Fragen, die sich alle stellen: Was bleibt, was ändert sich, bleibt die Marke, bleiben die Standorte? Wichtig ist, dass sich auch die übernommene Seite darin wiederfindet. Ein Narrativ, das nur aus Sicht des Käufers erzählt wird, klingt nach Eroberung und verunsichert genau die Menschen, die man halten möchte.
Was gehört in das Kommunikationspaket?
- eine Pressemitteilung mit Zitaten beider Geschäftsführungen
- ein internes Schreiben und ein Termin für Fragen der Belegschaft
- ein Fragen-und-Antworten-Dokument für Führungskräfte und Vertrieb
- abgestimmte Informationen für Kunden und Partner
- angepasste Inhalte für Website und LinkedIn
Nach der Bekanntgabe beginnt die eigentliche Arbeit. Regelmäßige Updates zur Integration, erste gemeinsame Erfolge und Gesichter aus beiden Unternehmen zeigen, dass die Fusion gelebt wird.
Hilfreich ist außerdem, Gerüchten zuvorzukommen. Je länger Verhandlungen dauern, desto größer ist das Risiko, dass etwas durchsickert. Ein vorbereitetes Statement für den Fall einer vorzeitigen Medienanfrage, abgestimmt mit der Rechtsberatung, verhindert hektische Improvisation. Ebenso wichtig sind die ersten Wochen nach der Meldung. Führungskräfte beider Unternehmen sollten auskunftsfähig sein, denn die meisten Fragen stellen Mitarbeitende nicht in der Betriebsversammlung, sondern danach im Gespräch mit ihrer direkten Vorgesetzten.
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Häufige Fragen
Wann sollten Mitarbeitende von einer Übernahme erfahren?
Spätestens zeitgleich mit der Öffentlichkeit, idealerweise kurz davor und persönlich durch die Geschäftsführung. Rechtliche Vorgaben wie die Ad-hoc-Pflicht bestimmen dabei den genauen Ablauf.
Was ist die Ad-hoc-Pflicht?
Börsennotierte Unternehmen müssen Insiderinformationen, die den Kurs erheblich beeinflussen können, nach der EU-Marktmissbrauchsverordnung unverzüglich veröffentlichen. Dazu können auch Übernahmen und Fusionen gehören.
Sollte die übernommene Marke erhalten bleiben?
Das ist eine strategische Entscheidung. Für die Kommunikation zählt vor allem, sie früh und klar zu erklären, damit Kunden und Mitarbeitende wissen, woran sie sind.